US-Protektionismus: Anpassung an die neue US-Wirtschaftspolitik
Im Januar 2026, ein Jahr nach der Amtseinführung von Donald J. Trump, hat sich die globale ökonomische Landkarte fundamental verschoben. Was im Wahlkampf als rhetorische Drohkulisse erschien, ist einer harten Realität gewichen: Die Vereinigten Staaten haben den Pfad des multilateralen Freihandels verlassen und ein System der aggressiven, staatlichen Einflussnahme etabliert. Für Unternehmen und Investoren bedeutet dies den Übergang von globalen Effizienzmodellen hin zu einer bipolaren Marktlogik, in der politische Protektion über ökonomische Wettbewerbsfähigkeit entscheidet.
Die wirtschaftspolitische Doktrin des Jahres 2026 lässt sich als „pragmatischer Populismus“ klassifizieren. Sie zeichnet sich durch eine duale Strategie aus: Auf der einen Seite steht eine massive Deregulierung und Steuerentlastung, die an die angebotsorientierte Politik der Reagan-Ära erinnert. Dies manifestiert sich in der Abschaffung von 270.000 Stellen in der Bundesbürokratie und der Einführung umfassender Steuerbefreiungen für Arbeitnehmer. Auf der anderen Seite interveniert der Staat mit einer Vehemenz in die Märkte, die eher an dirigistische Systeme erinnert – sei es durch die direkte Preiskontrolle bei Kreditkartenzinsen, die Verstaatlichung der Hypothekenfinanzierung durch massive Anleihekäufe oder die Nutzung von Zöllen als geopolitisches Zwangsmittel gegen traditionelle Verbündete.
Das Ende des Freihandels: Die "Festung Amerika"
Die Handelspolitik des Jahres 2026 fungiert primär als Instrument der nationalen Sicherheit. Durch die drastische Erhöhung der Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte (Sektion 232) auf 50 % hat die US-Administration einen zweigeteilten Markt geschaffen.
Entkoppelung der Preise: Der Preis für US-Primärstahl hat sich vom Weltmarktpreis gelöst. Während dies verarbeitende Industrien belastet, sichert es US-Produzenten wie Cleveland-Cliffs und Nucor historische Margen.
Geopolitische Zölle: Die Erhebung von Strafzöllen gegen europäische Nationen im Kontext des Grönland-Konflikts markiert einen Paradigmenwechsel. Zölle werden nun als direktes politisches Zwangsmittel eingesetzt. Dies trifft insbesondere europäische Exporteure von Luxusgütern (LVMH) und Pharmazeutika (Novo Nordisk).
Energie-Dominanz: Realpolitik schlägt Klimaziele
Unter der Maxime „Drill, Baby, Drill“ hat die Administration einen nationalen Energienotstand ausgerufen, um regulatorische Hürden wie den National Environmental Policy Act (NEPA) faktisch auszuhebeln. Umweltverträglichkeitsprüfungen werden massiv verkürzt oder gestrichen!
Der Venezuela-Pivot
Ein entscheidender Faktor Anfang 2026 ist die strategische Neuausrichtung gegenüber Venezuela. Der Zugang zu schwerem Rohöl ist für die US-Raffinerie-Infrastruktur am Golf von Mexiko essenziell.
Gewinner des Wiederaufbaus: Da die venezolanische Infrastruktur marode ist, profitieren US-Ölfelddienstleister wie Baker Hughes und Halliburton von einem massiven Capex-Superzyklus.
Raffinerie-Margen: Unternehmen wie Valero Energy profitieren von den ausgeweiteten „Crack Spreads“ durch den Zugriff auf günstigeres Schweröl.
Finanzsektor: Deregulierung trifft auf Populismus
Die Finanzarchitektur 2026 ist durch eine extreme Diskrepanz zwischen systemischer Freiheit und punktueller Intervention geprägt. Die Administration hat das Ziel ausgegeben, die „größte Deregulierung in der US-Geschichte“ durchzuführen. Für Banken bedeutet dies konkret die Rücknahme oder massive Abschwächung der „Basel III Endgame“-Regeln, die höhere Eigenkapitalanforderungen vorsahen.
Regionalbanken-Renaissance: Die Rücknahme der Basel III Endgame-Regeln hat eine Konsolidierungswelle ausgelöst. Mittelgroße Institute wie KeyCorp gewinnen durch erleichterte M&A-Bedingungen an Attraktivität.
In einer Rede in Davos und über soziale Medien forderte Präsident Trump eine Obergrenze von 10 % für Kreditkartenzinsen („Interest Rate Cap“) für ein Jahr. Er bezeichnete die aktuellen Zinsen von 20-30 % als Wucher.
Kreditkartenzins-Deckel: Die geforderte Obergrenze von 10 % für Kreditkartenzinsen stellt einen massiven Eingriff in das Konsumentengeschäft dar. Reine Emittenten wie Synchrony Financial stehen vor einem Kollaps ihrer Zinsmargen.
Ein völlig neues Element der Trumpschen Finanzarchitektur ist der geplante US Sovereign Wealth Fund. Finanziert durch Zolleinnahmen, soll dieser Fonds in strategische nationale Projekte investieren. Parallel dazu plant die Administration per Exekutivanordnung, 401(k)-Altersvorsorgeplänen den Zugang zu „alternativen Anlagen“ (Private Equity, Private Credit) zu erleichtern. Dies ist ein massives Geschenk an die großen Vermögensverwalter. Billionen von Dollar an Pensionsgeldern, die bisher in Aktien und Anleihen gefangen waren, könnten nun in die gebührenstarken Produkte der Alternative Asset Manager fließen.
Privatisierung der Altersvorsorge: Die Öffnung von 401(k)-Plänen für alternative Anlagen ist ein strukturelles Geschenk an Asset Manager wie Blackstone und KKR, deren verwaltetes Vermögen durch den Zufluss von Pensionsgeldern neue Rekordstände erreicht.
Immobilienmarkt: Staatliche Zinssteuerung
Der Immobilienmarkt steht im Zentrum der innenpolitischen Agenda. Die Unzufriedenheit über hohe Wohnkosten war ein Wahlkampfthema, und die Antwort der Administration ist eine aggressive Intervention auf der Angebots- und Finanzierungsseite. Um die Wohnkosten zu senken, interveniert der Staat direkt am Anleihenmarkt. Durch den Ankauf von Hypothekenpapieren im Wert von 200 Milliarden USD durch Fannie Mae und Freddie Mac wurden die 30-jährigen Hypothekenzinsen erstmals künstlich unter die 6 %-Marke gedrückt.
Profiteure: Großflächige Hausbauer wie D.R. Horton profitieren von der stimulierten Nachfrage im Einstiegssegment.
Sektor-Verlierer: Institutionelle Vermieter wie Invitation Homes sehen sich einem Kaufverbot für Einfamilienhäuser gegenüber, was ihr Wachstumsmodell im Kern bedroht.
Technologie und Verteidigung: Die "New Primes"
Das Verteidigungsbudget 2026 priorisiert softwaregetriebene Kriegführung gegenüber traditionellen Hardware-Plattformen. Palantir festigt seine Position als „Betriebssystem des Pentagons“, während Anbieter autonomer Systeme wie AeroVironment von der neuen Militärdoktrin profitieren. Die Trump-Administration 2026 verfolgt eine Technologiepolitik, die eng mit nationaler Sicherheit und libertären Finanzideen verknüpft ist.
Parallel dazu positionieren sich die USA als globaler „Crypto Capital“. Die regulatorische Anerkennung von Bitcoin als strategische Reserve hat Unternehmen wie Coinbase und Bitcoin-Minern eine neue institutionelle Legitimität verliehen.
- Bitcoin Miner (zB RIOT): Diese Unternehmen positionieren sich neu als „Energie-Infrastruktur“. Sie nutzen ihre massiven Stromkapazitäten nicht mehr nur für Bitcoin, sondern zunehmend für KI-Rechenzentren (High Performance Computing). Die Administration unterstützt diesen Energieverbrauch explizit als Teil der „Energy Dominance“-Strategie, im Gegensatz zu demokratischen Forderungen nach Klimaneutralität.
Contrarian-Wette: Das KI-Energie-Paradoxon
Vielleicht übersieht oder vernachlässigt der Markt den mächtigsten deflationären und energiehungrigen Trend der Welt: Künstliche Intelligenz. KI-Rechenzentren benötigen gigantische Mengen an Strom. Tech-Giganten (Google, Meta, Microsoft) haben sich verpflichtet, diesen Strom aus sauberen Quellen zu beziehen und werden und können ihre KI-Zukunft nicht von politischer Rhetorik abhängig machen. Sie schließen private Verträge (Power Purchase Agreements – PPAs) ab, unabhängig von staatlichen Subventionen. Entgegen der Markterwartung bietet der Sektor der erneuerbaren Energien eine signifikante Opportunität.
NextEra Energy: Die Aufweichung von Umweltprüfungen beschleunigt den Netzausbau, wovon NextEra als größter Infrastrukturbetreiber direkt profitieren könnte!
Mein Fazit:
Das Jahr 2026 wird wohl kein Jahr für passive Index-Investoren. Die Märkte werden nicht durch breites Wirtschaftswachstum getrieben, sondern durch politische Verzerrungen. Die Administration schafft aktiv Gewinner (durch Zölle und Deregulierung) und Verlierer (durch Preiskontrollen und Verbote). Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, diese politische Willkür nicht zu bekämpfen, sondern sich an die Seite der vom Staat protegierten Industrien (Stahl, Energie, Krypto, Defense) zu stellen und Sektoren zu meiden, die ins Fadenkreuz des Populismus geraten sind (Konsumentenkredite, institutionelle Wohnungsvermieter). Die „Contrarian“-Wette zeigt zudem, dass auch in einem scheinbar feindlichen politischen Umfeld fundamentale Marktkräfte (KI-Nachfrage) profitable Nischen schaffen können…